In der Nacht hatte es angefangen zu regnen, und das stetige Plätschern hielt auch noch am Morgen an. Die Wetterprognosen, die wir beim Frühstück bei verschiedenen Diensten abriefen, sagten mehr oder weniger schlechte thermische Bedingungen für die Region vorher. Lediglich das RASP-Modell prognostizierte für den Nachmittag gute Thermik. Auf der Fahrt zum Schleppgelände schoben sich dann auch schon die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke.
Um 10:30 Uhr fand das Eröffnungsbriefing statt. Nachdem Willi Kuck den offiziellen Teil abgehakt hatte und die Pilotensprecher gewählt worden waren, gab Thorsten Seelig einen Überblick zur aktuellen Wettersituation. Seine optimistische Prognose für den Tag beendete er mit den Worten:
Wer einmal lügt muss noch lange kein Meteorologe sein.
Samstagnachmittag machte ich mich gemeinsam mit Theo auf den Weg nach Berlin ins Alte Lager. Am späten Abend trafen wir in Neuheim bei unserer Ferienwohnung ein, wo wir von Peter und Jarek mit einem kühlen Bier empfangen wurden.
Der Sonntag begrüßte uns mit Sonne und der Aussicht auf einen langen Flugtag mit guter CU-Thermik. Nach einem ausgiebigen und reichhaltigen Frühstück machten wir uns auf den Weg ins Alte Lager. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Wind leider schon markant zugenommen. Am Platz angekommen trafen wir einige Teilnehmer aus dem letzten Jahr und es gab viel zu erzählen. Am Nachmittag haben wir uns bei Willi und Dagmar für die German Flatlands registriert und die Wegpunkte auf unsere GPS-Geräte geladen. Der starke Wind hielt den ganzen Nachmittag an und ließ leider keinen Schleppbetrieb zu. Stattdessen hatten wir genügend Zeit für Gespräche mit die neu eintreffenden Piloten und konnten uns prächtige Lenticularis am Himmel ansehen.
Die Einen fahren fast 1.000 km Richtung Süden um spektakuläre alpine Gewitter zu genießen, die Anderen bleiben zu Hause am Niederrhein und erlebten einen perfekten Flugtag mit außergewöhnlich guter Thermik:
Florian Zech (Swing Astral 6) flog 44,7 km von Sevelen bis kurz hinter Schermbeck
Christian Wiesner (Niviuk Artik) flog ein 41,3 km flaches Dreieck von Sevelen über Voerde bis Saalhoff
Von den niederländischen Schleppgeländen wurden folgende Strecken geflogen:
Ardy Brouwer (Niviuk IcePeak XP) flog 146,2 km von Toldijk (NL) bis nach Bersenbruck (6 h FLugzeit!)
Uwe Moss (Gin Boomerang 5) flog 107,8 km von Bentelo (NL) bis nach Osnabrück
Stefan hatte den ganzen Vormittag vergeblich versucht, genügend Piloten und vor allem Windenfahrer für einen Schleppbetrieb in Sevelen zu begeistern. Daher fuhren Theo, Matthias, Stefan, Jarek und ich am frühen Nachmittag zum Schleppgelände an der Halde Norddeutschland, um dort das Angebot des Vereins Revierwings für Gastflieger zu nutzen.
Als ich um 14:30 Uhr auf dem Gelände ankam, war Theo bereits seit fast einer Stunde in der Luft und kreiste auf gut 1.000 m hinter der Halde Norddeutschland.
Wir könnten mal ein Dreieck probieren.
Die Piloten, die schon in der Luft waren, berichteten von ruppigen und turbulenten Bedingungen. Das schwierigste an dem heutigen „guten Blauthermik“-Tag war aber die richtige Stelle für den Einstieg zu finden. Zu allem Überfluss hatte sich aus SW eine abschirmende Schichtbewölkung über das Gelände geschoben. Jarek und ich schafften es über der Halde Norddeutschland, in einem ziemlich ruppigen Bart, gemeinsam bis auf 1.200 m aufzudrehen. Ich flog weiter Richtung Rheinberg, wo ich vor dem Gewerbegebiet Winterswick noch Mal auf 1.100 m hoch kam. Da es schon relativ spät war für einen ausgedehnten Ausflug in den Norden, entschied ich mich linksrheinisch zu bleiben und ein kleines Dreieck zu versuchen. Mit gut 30 km/h flog ich parallel zur B510 Richtung Kamp-Lintfort. Ich hatte damit gerechnet über der A57 oder den Industrieanlagen nutzbare Thermik zu finden, was aber nicht der Fall war. Gelandet bin ich auf einem kleinen Modellflugplatz. Einer der Modellflieger hat mich dann wieder zurück zum Averdunkshof gefahren.
In einer Viertelstunde ist Anpfiff: Niederlande – Brasilien. Die Kollegen sitzen jetzt bestimmt bei einem kühlen Bier vor der Leinwand und versuchen irgendwie die 37°C Lufttemperatur zu ertragen.
Der Hausbart vor Issum hatte heute bestimmt Hitzefrei und so bin ich direkt weiter Richtung A57 geflogen. Auf dem Weg dorthin flog ein Verkehrsflugzeug in gerade mal 200 m Höhe über mich hinweg. Die Maschine kam aus Südwesten, drehte über Xanten nach links Richtung Westen ab und landete auf dem Flughafen Weeze. Ich erwartete jeden Moment von den Wirbelschleppen durchgeschüttelt zu werden. Zum Glück blieben die aber aus. Puh!
Der Morgen begann wie jeder Flugtag: ausschlafen, ein gutes Frühstück, die Fluggeräte aufladen und überprüfen, sowie der obligatorische Wettercheck. Der Segelflugwetterbericht meldete „Gute Thermik“ – 2 Achtel Cu die sich im Nachmittagsverlauf langsam auflösen – 10 km/h Wind aus N; Höhenwind eher aus NO; Basishöhen bis 1.600 m, die am Nachmittag auf 1.800 m ansteigen.
Perfekte Bedingungen, um erneut die „Südroute“ in Angriff zu nehmen. Als Inspiration habe ich mir nochmal einen Flug von Dirk Ripkens, von Uedem bis Hinterweiler, angesehen. Südlich von Jülich flog er an dem Tagebau vorbei und hat dann über dem Kraftwerk Weisweiler in „Mega Thermik“ aufgedreht! Was bei den Segelfliegern gängige Praxis ist und mit einem Atos noch möglich sein mag – mit einem Gleitschirm würde ich mich das nicht trauen. Dirk ist anschließend über den Hürtgenwald Richtung Nideggen geflogen. Von da aus ging es dann weiter Richtung Süden über Kall, Blankenheim nach Hillesheim.
Für alle Fälle habe ich mir die rechte untere Ecke der ICAO-Karte Niederlande mitgenommen. Man weiß ja nie!
Da ich bei meinem langen Flug am Mittwoch ganz schön unter den Folgen von Wassermangel zu leiden hatte, habe ich mir für heute zusätzlich ein Liter Wasser im Camelbak mitgenommen. Man weiß ja nie!
Bei den guten Vorhersagen wollten wir versuchen, so früh wie möglich in die Luft zu kommen und so hatten wir uns für 11:00 Uhr verabredet. Als ich zur Halle kam, warteten dort schon Petra und Holger. Wenig später kamen Ronni, Johannes, Chris, Theo und Max. Wir waren also genügend Piloten, um direkt mit dem Schleppbetrieb zu beginnen.