Das Schleppgelände Holzheim stellt einen Streckenflieger vor ganz besondere Herausforderungen: ein thermisch sehr aktives Gelände und im Umkreis von mindestens 8 km eine Luftraumbeschränkung C von 2.500 MSL (762 m).
Jaroslaw Suchorski hat sich am Samstag dieser Herausforderung gestellt und konnte mit einem Gin Rebel eine Strecke von 12,6 km fliegen. Nach gut einer Stunde Flugzeit landete er kurz hinter Grevenbroich.
Hier ist sein Bericht:
Die Bedienungen an diesem Tag waren nicht optimal. Ein dichtes Cirrenfeld raubte uns kostbare Sonnenstrahlen und machte das Obenbleiben sehr schwierig. Während meiner Wartezeit beobachtete ich andere Piloten in der Luft und versuchte die Stellen rauszufinden wo es eventuell hoch gehen könnte. Als ich an der Reihe war, lag das ganze Gelände im Schatten und ich glaubte gar nicht daran, dass überhaupt noch was steigen könnte.
Nach dem Ausklinken flog ich erstmal etwas weiter geradeaus, genauer gesagt Richtung ONO. Keine 50 m weiter merkte ich deutlich weniger Sinken, so flog ich schön weiter gegen den Wind. Der Bart war gute 100 m breit und im Zentrum kam ich gerade mal auf etwa 0-0.3 m/s Steigen (ich fliege gut beladen, ganz oben in dem Gewichtsbereich). Na ja, besser als Sinken dachte ich und wollte dort erstmal abwarten. Der Pilot nach mir kam etwas höher als ich an und flog ebenfalls direkt in den Bart rein. Vorsichtig kreiste er um mich, was ich sehr nett fand, da ich an dem Thermikrand kein Steigen mehr hätte. Später konnte noch ein weiterer Pilot zu uns stoßen.
Die ersten Sonnenstrahlen kamen durch, sofort wurde das Steigen besser und ich konnte – da besser in der Thermik platziert – an den beiden Piloten vorbeifliegen. Als ich langsam die Maximalhöhe von 762 m erreichte ging ich voll in den Beschleuniger und flog quer zur Wind Richtung SO. Der erste Versuch scheiterte und ich musste wieder zurück. Ich sah dass, die beiden Piloten ihre Höhe verloren, so steuerte ich die zweite vermutete Stelle über dem „Bunker“ an und hatte wieder Glück. Schnell konnte ich wieder Höhe machen (bei max. 762 m ist es wirklich schnell gemacht) und wagte einen zweiten Versuch.
Jetzt ging es deutlich besser und ich konnte den meisten Weg halb- bis vollbeschleunigt mit wenig Höhenverlust zurücklegen. Ich sah eine große Fabrik mit schwarzen Dächern, bei der ich gute Thermik vermutete. Bis auf einen fürchterlichen Industriegestank stieg da leider nichts. So musste ich direkt neben dem großen Firmenparkplatz landen. Noch Minuten später hatte ich diesen Gestank in der Nase, da fliege ich nie wieder lang!
Direkt neben dem Parkplatz gibt es eine Hauptstraße (die B540) über die man auch Richtung Düsseldorf fahren kann. Beim ersten Versuch für eine Mitfahrgelegenheit hatte ich Glück und war zwanzig Minuten später wieder auf dem Fluggelände.
Auch wenn es kein Hammer Flug war, soll es den Spaß am Streckenfliegen vermitteln und dass man nicht darüber nachdenken soll wie man zurück kommt. Es ergibt sich immer was!
P.S. Sollte Jemand Fragen wollen, weshalb ich nicht direkt Richtung Grevenbroich flog, so ist die Antwort: Das ganze Gelände war komplett abgeschattet und ich wollte es umfliegen. Ein weiterer Grund war, dass ich mit aller Gewalt aus dem Luftraum C 762 m rausfliegen wollte und daran scheiterte. Nicht immer ist der kürzeste Weg der beste.
Danke Jarek für den schönen Bericht.