Das letzte Seil

Holger Steffentorweihen fliegt seinen neuen Summit XC :: © Archiv SteffentorweihenHolger Steffentorweihen nutzte den gestrigen “Gute Ther­mik”-Tag für einen Ausflug vom Schleppgelände an der Halde Norddeutschland bis nach Alpen. Entgegen der Vorhersage entwickelte sich der Tag hier am Niederrhein aber eher schwach.

Mit ein wenig Glück und neuer Aurüstung (UP Summit XC und Advance Impress 2+) konnte er die 14,9 km Strecke in gut einer Stunde Flugzeit bewältigen.

Hier sein Bericht:

Eigentlich hatte ich den Tag ja schon unter “was der Segelflugwetterbericht ver­sprochen, Petrus aber nicht gehalten hat” abgeschrieben.

Schirm und Gurtzeug waren schon auf dem besten Weg in Ihrem Packsack zu ver­schwinden, da unser letzter verbleibender Windenfahrer nun auch seinen sonntäg­lichen Verpflichtungen nachkommen wollte. Da sich, wohl aufgrund der eher mäßigen Bedingungen, kein anderer Starter mehr für das letzte Seil gemeldet hat, habe ich mich dann doch noch einmal zu einem letzten Flug überreden lassen.

Und siehe da, direkt nach dem Ausklinken merke ich wie ein seichtes Lüftchen über den Popo streicht. Also eingedreht und feinfühlig das geringe Steigen zentriert. Mit 0,5 bis 1 m pro Sekunden geht es so nach und nach immer weiter nach oben. Je näher ich der Wolkenbasis komme desto zuverlässiger wird das Steigen. Nach ca. 700 m Höhengewinn muss ich mir so langsam Gedanken machen ob ich auf Strecke gehe oder doch in der Nähe des Fluggeländes bleibe. Schließlich habe ich ja meine Sachen am Startplatz gelassen (ich war ja schon beim Einpacken als Achim mir das letzte Seil aufgeschwatzt hat) und bin mir noch nicht einmal sicher ob ich mein Handy an Bord habe (Bord ist ja bei dem neuen Gurtzeug der richtige Begriff). Mein Geld lag auf jeden Fall ca. 1.000 m unter mir am Startplatz.

Aber diese seltene Chance darf man sich einfach nicht entgehen lassen, also verlasse ich den Bart in Richtung Norden und schau erst mal an der Halde vorbei. Beim durchfliegen des Abwindbandes werde ich heftig durchgeschüttelt, und fange mir einen kleinen Ohrwatscher ein. Ohne Höhenverlust geht es bis zur Nordkante der Halde und von dort weiter Richtung Lintfort wo mich das stärkste Steigen des Fluges erwartet. Mit bis zu 4 m pro Sekunde geht es Richtung Basis. Auf knapp 1.300 Meter Höhe verlasse ich den Bart (ja, wir wollen ja nicht an die Luftraum­grenzen stoßen) und fliege weiter Richtung Norden.

Über dem Waldgebiet vor Alpen sehe ich eine wunderschöne Wolke mit dazuge­hörigem kurbelndem Segelflieger. Leider verliere ich auf dem Weg dorthin relativ viel Höhe. Aber die Abrisskante belohnt mich – zumindest auf den ersten Blick – wieder mit einem leichten Steigen. Wieder geht es mit 0,5 m pro Sekunde langsam nach oben. Aber plötzlich zieht jemand den Stecker aus dem Lüfter. Ich blicke nach oben und sehe wie der Segelflieger das Heil in der Flucht sucht und die Wolke sich nach und nach in ihre Bestandteile auflöst. Neidisch kann ich dem Segelflieger nur noch zu seinem Gleitwinkel gratulieren. Aber nun wird es ja auch schon langsam Zeit sich nach einer Landewiese umzusehen, da jetzt die großflächige Cirrenab­schattung auch hier zu greifen scheint. In 70 Metern Höhe habe ich über der anvisierten Landewiese noch mal einen ordentlichen Heber und habe kurz noch einmal das Gefühl heile aus der Situation rauszukommen. Aber der Schein trügt und der Heber beschert mir lediglich 3-4 weitere Achten bevor ich dann nach etwas mehr als einer Stunde wieder am Boden der Tatsachen angekommen bin.

Gott sei Dank habe ich dann wenigstens mein Telefon im Gurtzeug gefunden und konnte so Kontakt zu Birgit aufnehmen. Jürgen hat mich dann nach einer kleinen Odyssee doch noch auf meinem Landeacker gefunden und zurück zur Flugschule transportiert. Danke, dass ich Deine Zeit so strapazieren durfte!

Ein toller Flug in teilweise schwächsten Bedingungen. Danke noch mal an:
– Heiko, der mich mit viel Gefühl gen Himmel gebracht hat
– Achim, der mir das letzte Seil verpasst hat
– Jürgen, für die Suche der Nadel im Heuhaufen

und natürlich Danke an den unbekannten Piloten, der das letzte Seil ausgelassen hat. ;-)

Meinen Glückwunsch zu diesem Flug und ein besonderer Dank für Deinen Bericht.

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