Eine offene FAI-2 Gleitsegel-Meisterschaft und die Landesmeisterschaft Nordrhein Westfalen in heimischen Gefilden! Kein Wunder, dass die “1. Mosel Open” schon nach 3 Wochen ausgebucht war. Ich hatte mich zum Glück rechtzeitig angemeldet. Theo Schürholz stand lange auf der Warteliste und kam Anfang letzter Woche über eine Wildcard auf die Teilnehmerliste.
So machten sich am Mittwochnachmittag zwei FliegerFreunde vom Niederrhein auf den Weg zur Mittelmosel. Kurz vor 8:00 Uhr betraten wir das Headquarter im Kloster Machern bei Zeltingen-Rachtig. Die Formalitäten waren schnell erledigt: Eintragen in die Teilnehmerliste, Überprüfen der FAI Sportlizenz, Aushändigen der Wettbewerbsunterlagen und Aufspielen der Wegpunkte auf das GPS-Gerät. Hinter dem Notebook saß kein geringerer als “Mr. Maxpunkte” Dietrich Münchmeyer persönlich, der sich nicht aus der Ruhe bringen ließ und selbst die schwierigsten “Verbindungsprobleme” lösen konnte. Der ausgehängte Wetterbericht verhieß allerdings nichts Gutes für den ersten Wettkampftag: Keine nutzbare Thermik.
Nach der Registrierung haben wir die Moselseite gewechselt und unser Quartier im “Weinhof zum Bacchus” in Rachtig bezogen.
Donnerstag 17.05.2007 – “Task canceled”
Pünktlich um 11:00 Uhr wurde der Wettbewerb von den Organisatoren Oliver Blonske, Jens Kierdorf und Wolf Löhr eröffnet. Und gleich gab es den ersten Dämpfer: Der erste Wettkampftag wurde aufgrund der Wettersituation gecancelt. Von daher hatte Wolf Löhr – Sportwart der Moselfalken – reichlich Zeit den fast 80 registrierten Piloten die “Entstehung der Mosel” zu erklären: Ein geschichtlicher Rundgang von der Eiszeit bis zur Gründung der Moselfalken! Abschließend gab uns Dietrich Münchmeyer einen Überblick zur aktuellen Wettersituation und zur weiten Entwicklung des Wetters. Sein Fazit: Für Morgen besteht die berechtigte Hoffnung, dass wir einen Durchgang fliegen!
Am Nachmittag lockerte die Bewölkung leicht auf und wir sind mit einer Gruppe nach Burgen “zum soaren” gefahren: 35 Minuten Hinfahrt, 10 Minuten am Landeplatz die Gleitleistung des neuen Stratus 7 bewundern, zum Startplatz fahren, 5 Minuten im Regen stehen und 30 Minuten Rückfahrt. Auch eine Art den Tag rum zu kriegen! Zum Glück bietet das Kloster Machern genügend Highlights: Klosterbräu, “Salat de Chef” und eine geniale Location. Am Abend gab es einen Vortrag von Hans Bausenwein zum Thema “Strategie und Taktik beim Streckenfliegen”. Sein Geheimnis auf langen Streckenflügen die Konzentration aufrecht zu erhalten: ein paar Patronen Red Bull!
Am späten Abend sind wir dann im Weinkeller zum Bacchus versackt.
Freitag 18.05.2007 – “Task 1”
Um 10:30 Uhr setzte sich der gesamte Tross Richtung Klüsserath in Bewegung. Die Packsäcke wurden mit Kleintransportern und die Piloten in einem Reisebus zum Startplatz gefahren: eine perfekte Organisation. Die meisten Piloten nutzten die nächsten 1 ½ Stunden um ihre Ausrüstung auszupacken und startklar zu machen.
Um 12:30 Uhr versammelten sich alle Piloten zum Briefing. Das Taskkomitee hatte eine 36,5 km Aufgabe festgelegt: Vom Startplatz entlang der Kante Richtung Süden bis zur Kapelle von Trittenheim, zurück zum Startplatz, Höhe tanken und Richtung NO über Burgen und Graach bis nach Pünderich. Bei diesem Task musste mehrmals die Mosel überflogen werden mit der Möglichkeit an den SW-Hängen wieder aufzusoaren: very tricky!
Das Startfenster wurde um 13:10 Uhr geöffnet und eine Minute später war der erste Pilot in der Luft. Die Bedingungen waren – wie so oft an der Mosel – zu diesem Zeitpunkt noch sehr zäh.
Mein erster Start endete nach wenigen Minuten auf dem offiziellen Landeplatz an der anderen Moselseite. Dank der perfekten Organisation kam man aber in kürzester Zeit wieder rauf zum Startplatz und konnte das Rennen neu starten.
Beim zweiten Mal klappte es besser: ein paar Schleifen über dem Startplatz und mit ausreichend Höhe Richtung Süden ab geflogen. Auf halber Strecke zum nächsten Wendepunkt machte ich dann meine erste Erfahrung mit dem Thema “Fliegen im Pulk”. Auf engstem Raum versuchten hier bestimmt 30 Piloten die teilweise bockige und zerrissene Thermik zu zentrieren und Höhe zu machen. Ich war froh als ich durch dieses Chaos durch war. An der ersten Wende “26-013” kam ich mit 100 m über Grund an. Nach der Wende habe ich versucht nah am Hang wieder Höhe zu gewinnen. Die Bedingungen waren mir allerdings “zu anspruchsvoll” in diesem Bereich, sodass ich eine Landung auf der großen Wiese zwischen Bundesstraße und Mosel vorgezogen habe. Auf der Rückfahrt zum Landeplatz erzählte der Fahrer von einem Piloten der mitten auf der Bundesstraße gelandet ist! Ohne Worte.
Alle guten Dinge sind Drei! Um kurz nach vier bin ich wieder gestartet. Und diesmal trug der Hang wirklich gut. Im dynamischen Hangaufwind konnte ich mit ausreichend Sicherheitshöhe bis zur “Kapelle” fliegen und dabei zweimal auf 500 m aufdrehen. Zurück zum Startplatz ging es in 10 Minuten! Gemeinsam mit Theo und René habe ich über dem Südhang von Klüsserath nach nutzbaren Aufwinden gesucht. In den durchziehenden Blasen ging es gemeinsam bis auf 500 m hoch, eine Höhe bei der man sich schon langsam Richtung nächster Wende orientieren konnte. Naja, Theo und René konnten! Ich hab es irgendwie verpennt, bin aus dem Bart gefallen und habe es nicht mehr geschafft den Einstieg zu finden. Kurze Zeit später bin ich auf der anderen Moselseite gelandet. Schade…
Theo ist mit 500 m abgeflogen und war nach einer halben Stunde 300 m höher, 5 km weiter und hat dabei zweimal die Mosel überflogen. Hinter Minheim ist er dann Richtung Norden geflogen um über den Südwesthängen von Piesport bessere Thermik zu finden. Hier und auch südlich von Wintrich waren zu diesem Zeitpunkt nur absinkende Luftmassen zu finden. Mit dem 12,9 km Flug landete er auf Platz 28 der Tageswertung. Respekt!
An diesem Tag erreichten zwei Piloten das Ziel: Der Belgier Philippe Broers (Airwave Magic FR3) und Peter Jung (Boomerang 5).
Samstag 19.05.2007 – “Task 2 & 3”
Der dritte Wettkampftag begann relaxt. Um 10:00 trafen sich die Teilnehmer der Mosel Open vor dem Kloster Machern. Oliver Blonske ehrte die Tagessieger vom Vortag. Dietrich Münchmeyer unterrichtete uns über die aktuelle Wettersituation: niedrige Wolkenbasis, schwache Thermik und lokale Überentwicklungen.
Um 12:00 Uhr standen alle Teilnehmer wieder am Startplatz in Klüsserath. Das Briefing wurde auf Grund der unklaren Wetterlage mehrmals verschoben. Um 14:30 trommelte Oliver Blonske die Piloten zum Briefing zusammen. Als Tagesaufgabe wurde ein 22,7 km Soaringkurs auf der Ostseite des Talkessels von Klüsserath gesetzt: Vom Startplatz zur Kapelle und wieder zurück zum Startplatz. Danach sollte es zum Ort Holland gehen, der auf der anderen Moselseite ca. 1 km von der Ridge entfernt liegt. Von da zurück zum Startplatz, wieder zur Kapelle, Landeplatz, Holland, Landeplatz und von hier nochmal Höhe tanken und über das Plateau Richtung Osten zum Airport Neumagen. Die Startzeit wurde auf 15:00 Uhr gesetzt.
Um 15:20 Uhr war ich in der Luft. Auf der Höhe der Kläranlage ging es bis auf 500 m rauf und dann im Geradeausflug zur Kapelle. Nachdem ich den Wendepunkt erreicht hatte, war meine komfortable Höhe auf weniger als 50 m zusammengeschrumpft. Aber heute trugen die Moselhänge recht gut. Mit durchschnittlich 100 m über Grund bin ich zurück zum Startplatz geflogen wobei ich teilweise gut gegen den Wind anhalten musste. Um den nächsten Wendepunkt “Holland” zu erreichen und auch wieder sicher an den Hang zurück zu kommen, musste ich auf jeden Fall wieder Höhe machen. Also wieder Richtung Kappele und den Hang nach thermischen Aufwinden absuchen.
Um 15:52 Uhr sah ich Richtung Kapelle einen Krankenwagen im oberen Bereich des Hangs stehen. Kurz danach wurde über Funk gemeldet, dass das Rennen gestoppt ist. Mit fünf weiteren Piloten bin ich auf der Wiese unterhalb der Kapelle gelandet. Über Funk haben wir dann erfahren, dass Oliver Blonske verunglückt ist und ein Rettungshubschrauber unterwegs ist. Nach und nach hatten auch die letzten Piloten begriffen, was “zwei gekreuzte Gleitschirme” bedeuten: sofort den nächstgelegenen Landeplatz ansteuern. Nur einer hat das alles nicht verstanden und ist weiter seine Aufgabe geflogen. Zum Glück wurde dadurch aber nicht der Abtransport des Verunglückten in das Krankenhaus Wittlich verzögert.
Nachdem die meisten Piloten wieder am Startplatz eingetroffen waren, entschied sich die Rennleitung einen neuen Durchgang zu starten. Als neuer Task wurde eine reine Soaringaufgabe ausgeschrieben: Dreimal Startplatz – Kapelle und rüber zum Airport Neumagen. Das Startfenster wurde von 17:15 bis 18:15 Uhr geöffnet.
In der ersten Viertelstunde starteten die Piloten, die wussten dass es einen Restart gibt und sich entsprechend vorbereitet hatten. Die anderen versuchten in der Hektik und den beengten Verhältnissen am Startplatz ihre Ausrüstung startbereit zu machen. Zwischenzeitlich schoben sich immer mehr Wolken in den Bereich des Startgeländes und der Wind blies teilweise kräftig aus West. Warten war angesagt.
Kurz nach 18:00 Uhr öffnete sich ein Wolkenfenster und ich startete als erster Richtung Kapelle. Um diese Uhrzeit trug der Hang gigantisch. Im Geradeausflug mit 40 km/h über Grund konnte ich gut Höhe machen und war in 6 Minuten schon an der Wende. Auf dem Rückweg sah ich den ersten Pulk Richtung Airport fliegen. Zehn Minuten später erreichte ich den nächsten Wendepunkt am Startplatz und das war es. Nichts ging mehr und einer nach dem anderen landete.
Die heutige Aufgabe wurde von 9 Piloten gelöst: Andreas Malecki (Boomerang 5) erreichte als erster nach nur 28 Minuten das Ziel! Die anderen Finisher benötigten zwischen 36 und 42 Minuten.
Wie bekannt wurde, hatte sich Oliver Blonske bei seinem Unfall einen Lendenwirbel gebrochen und es ging ihm den Umständen entsprechend.
Lieber Oliver, ich wünsche Dir gute Besserung.
Am Abend gab es das große Quiz, bei dem der Gewinner einem nagelneuen UP Trango 3 in der Größe L gewinnen konnte. Und gewonnen hat: Matthias Raab der Swing Wettkampfpilot und -betreuer für Deutschland!
Sonntag 20.05.2007 – “Task canceled”
Der letzte Wettkampftag begann wie gewohnt. Treffen um 10:00 Uhr, Ehrung der Tagessieger, Wetteranalyse, Festlegung des Startplatzes und Abmarsch.
Heute ging es zum nahe gelegenen Starplatz von Zeltingen-Rachtig. Die meisten nutzten das schöne Wetter und machten sich zu Fuß auf den Weg. Die SO-ausgerichteten Moselhänge hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon mächtig aufgeheizt, so dass der Aufstieg zu einer schweißtreibenden Angelegenheit wurde. Unterhalb des Startplatzes fand Theo ein riesiges Erdbeerfeld. Die Beeren waren reif und schmeckten vorzüglich. Hätten wir gewusst wie sich der Tag entwickeln würde, dann wären wir hier besser sitzen geblieben.
So aber trafen wir 11:30 Uhr mit den anderen Piloten am Startplatz ein und machten unsere Ausrüstung startbereit. Um 13:00 Uhr gingen Valerie und Philippe Broers raus um die Bedingungen zu testen und die waren sportlich. Philippe spiralte zum Landeplatz ab und Valerie versuchte mehrmals Top zu landen. Irgendwann ist ihm das auch gelungen und durch das beherzte Eingreifen von Simon ist er auch am Boden geblieben. Der Wind und die eingelagerte Thermik nahmen weiter an Stärke zu. An einen sicheren Massenstart war nicht zu denken und die Organisatoren verschoben das Briefing weiter nach hinten.
Kurz vor 15:00 Uhr rief Jens Kierdorf die Piloten zum Briefing zusammen und stellt die 38,5 km lange Tagesaufgabe vor: Vom Kloster Macher zum Sender Uerzig und zurück, Höhe tanken und ab in die Eifel bis nach Daun. Um 15:00 Uhr wurde das Startfenster geöffnet und direkt wieder geschlossen. Damit konnte man das Rennen jederzeit starten und musste nicht die Wartezeit von 15 Minuten nach jedem neuen Briefing in Kauf nehmen. Um 16:00 Uhr wurde der Task dann endgültig abgesagt. Laut aktueller Wetterlage war es in Luxenburg und der Südeifel schon am gewittern.
Mehr als 50 Piloten nutzen die ruhiger werdenden Bedingungen zu einem abschließenden Flug rund um das Kloster Machern. Theo und ich hatten endlich mal die Gelegenheit zusammen zu fliegen. Nachdem wir gut 400 m Höhe gemacht hatten, sind wir Richtung Plateau und weiter Richtung Graach geflogen. Von SW her zog es immer weiter zu. Um 18:00 Uhr sind wir schließlich gelandet.
Die Sachen waren schnell zusammen gepackt und im Auto verstaut. Den Tag haben wir im Biergarten bei einem leichten Klosterbräu und einer Kleinigkeit zu Essen ausklingen lassen.
Die Mosel Open 2007 endeten mit der obligatorischen Siegerehrung:
Mosel Open 2007
- Philippe Broers (Airwave Magic FR 3)
- Jens Kierdorf (Swing Stratus NT)
- Matthias Raab (Swing Stratus NT)
Theo Schürholz (Nova Mamboo) landet auf Platz 36 und ich (Ozone Vulcan) auf Platz 54.
Mosel Open 2007 Serie
- Joachim Thorn (Advance Omega 7)
- Frank van Renesse (Gin Boomerang Sport)
- Stephan Meyer (Gin Boomerang Sport)
Theo Schürholz (Nova Mamboo) landet auf Platz 20 und ich (Ozone Vulcan) auf Platz 31.
Mosel Open 2007 Damen
- Jolanda de Zeeuw (Airwave Magic 4)
- Ewa Korneluk-Guzy (Gradient Aspen 2)
- Chiara Gördes (Ozone Addict)
Landesmeisterschaft Nordrhein-Westfalen
- Jens Kierdorf (Swing Stratus NT)
- Stephan Meyer (Gin Boomerang Sport)
- Martin Pieper (Swing Stratus 7)
Theo Schürholz (Nova Mamboo) landet auf Platz 9 und ich (Ozone Vulcan) auf Platz 15.
Resumé
Das Team um Oliver Blonske, Jens Kierdorf und Wolf Löhr haben ganze Arbeit geleistet. Die Mosel Open 2007 waren aus Sicht der teilnehmenden Piloten perfekt organisiert. Angefangen von dem Shuttleservice zu den Startplätzen, über den reibungslosen und schnellen Rücktransport von den Landeplätzen, das gute Catering am Startplatz in Klüsserath, bis zu den zahlreichen Starthelfern die unermüdlich für einen reibungslosen Start der Piloten gesorgt haben. {…} Herzlichen Dank an dieser Stelle!
Mein persönliches Fazit: viel gelernt, viel geflogen, eine Menge netter und interessanter Menschen kennengelernt und Lust bekommen neue Fluggebiete kennen zulernen.
Für die “Mosel Open 2008” könnt Ihr Theo und mir schon mal einen Platz auf der Teilnehmerliste reservieren!
Einige visuelle Impressionen findet Ihr in der Bildergalerie “Mosel Open 2007”.
Fakten, Fakten, Fakten.
Die einzelnen Flüge aus beiden Durchgänge kann man sich als IGC oder KML-Datei herunterladen.
