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Erlebnis German Flatlands 2006 – Ein Interview mit Theo Schürholz

Bildimpressionen German Flatlands 2006 :: © Torsten SattlerEnde Juli trafen sich 34 Gleitschirmflieger auf dem ehe­maligen Militärflugplatz “Altes Lager” (Gemeinde Nieder­görsdorf im Kreis Teltow-Fläming im Land Brandenburg), um im Rahmen der German Flatlands 2006 die nord- und ostdeutsche Landesmeisterschaft auszutragen.

Zu den aktiven Piloten gehörte auch Dr. Theo Schürholz von den Fliegerfreunden Niederrhein e.V., der seinen ersten Wettbewerb mit einem hervorragenden 13. Ge­samtplatz und dem 3. Platz in der norddeutsche Landes­meisterschaft abschlossen hat.

Ich sprach mit Theo Schürholz über sein Erlebnis German Flatlands 2006.

Martin Speis: Wie lange fliegst Du schon?
Theo Schürholz: Ich bin mit dem Fliegen groß geworden. Modellflug mit 10, Segelflug mit 17 und 1989 habe ich dann bei der Flugschule Hörburger im Westallgäu mit dem Gleitschirmfliegen angefangen.

Waren die German Flatland 2006 Dein erster Wettbewerb als Gleitschirmpilot?
Ja, die Flatlands waren mein erster Wettbewerb als Gleitschirmpilot. Allerdings habe ich vor über dreißig Jahren schon mal erfolgreich an regionalen Wettbewerben im Segelflug teilgenommen.

Bildimpressionen German Flatlands 2006 :: © Torsten SattlerWie hast Du dich auf diesen besonderen Wett­bewerb im Flachland vorbereitet?
Ich habe mir ein aktuelleres GPS Gerät gekauft und eine ICAO-Karte von Berlin. In der Woche vorher habe ich mich bei Hochtouren zu Fuß und mit dem Mountain-Bike im Montafon körperlich fit gemacht und wenn ich an der Halde bin geh ich wenigstens einmal zu Fuß hoch. Und Obenbleiben übe ich immer, wenn ich an der Winde fliege. Nach Aussage der Cracks aus dem Berliner Club ist das das A und O der Flachland-XC-Fliegerei. Das ist in den Alpen sicher einfacher.

Warum bist Du den Wettbewerb mit einem DHV 1-2er Schirm geflogen?
Wenn ich meine Flugstunden im Jahr zusammmenzähle, gehöre ich zu den 70% Piloten, die nach DHV-Empfehlungen eigentlich einen 1er Schirm fliegen sollten. Außerdem wollte ich in erster Linie dabei sein und Erfahrungen sammeln. Gegen die Profis und Vielflieger hatte ich mir eh keine Chancen ausgerechnet.

Bildimpressionen German Flatlands 2006 :: © Torsten SattlerWie wurde der Wettbewerb denn durchge­führt? Es waren ja teilweise 4 Doppeltrommel­winden parallel im Einsatz, um die 36 Piloten in die Luft zu bringen.
Es konnten immer nur 2 Winden gleichzeitig schlep­pen. Am ersten Tag hat’s dann auch fast 3 Stunden gedauert bis alle oben waren. Seitenwind, Taktieren und windenunerfahrene Alpinflieger haben dazu beigetragen. Die nächsten Tage ging es dann zügig hoch.

Waren mehrere Starts notwendig bis Du den Thermikeinstieg gefunden hattest?
Ich habe immer nur 1 Start gebraucht um hochzukommem. Es gab auch wenige Piloten die 3-4 mal gestartet sind oder dann in der Hitze entnervt aufgegeben haben. In Neuss habe ich etwa bei jedem 2. Flug einen Bart erwischt. In Berlin hatten wir außergewöhnlich gutes Wetter und der Platz ist thermisch einfach super.

Bildimpressionen German Flatlands 2006 :: © Torsten SattlerBeim ersten Task – einem 52,4 km Zielflug nach Luckau – bist Du 1,5 km vor dem Ziel gelandet. Was war der Grund dafür?
Mir haben nur 500 m in den Zielkreis (1 km) ge­fehlt. Ich hätte das wahrscheinlich noch geschafft, aber ich habe einer Sicherheitslandung auf einer super Landewiese den Vorzug gegeben. Alterna­tive wäre ein Kornfeld etc. gewesen. Nach 3 Stun­den Warten in der Hitze (Startnummer 34) und einem anstrengenden Flug hat man eh schon das Gefühl, dass man das Landen verlernt hat. Theoretisch hätte ich das nach meinem letzten Bart locker schaffen müssen vom Gleitwinkel her. Der Wind in 2000 m ist aber manchmal ganz anders als am Boden und ich hätte nie gedacht, dass auch im Flachland so große Windunterschiede auf wenigen km herrschen können. Beim Gleitschirm kann das jede noch so großzügige Endanflugberechnung über den Haufen werfen. Eine andere Pilotin, die ähnlich spät gestartet war, erzählte Abends, dass sie 3 Anflüge aufs Ziel gemacht hätte und immer nur bis zu der Stelle kam, wo sie aufgedreht hatte.

Wie lief der zweiten Wettkampftag für dich? Die Aufgabe bestand in einem 80,1 km Zielflug nach Riesa.
Am 2. Tag war Blauthermik angesagt, evtl. 2/8 Kumulus. Tatsächlich kam dann durch Überentwicklung eine Abschattung zustande. Piloten, die in meinem Zeitfenster abgeflogen sind, hat es dann nach 20 km runtergespült. Wer vorher oder vor allem später losflog, hatte gutes Wetter. Das war einfach Pech, oder Glück für die anderen.

Bildimpressionen German Flatlands 2006 :: © Torsten SattlerAm darauf folgenden Tag wurde euch vom Tasksetter – erstmalig im deutschen Flachland – eine geschlossene Aufgabe über 52,9 km vorgegeben. Du konntest nach über 3 h Flug­zeit die Ziellinie im Alten Lager überfliegen. Wie hast Du diesen Flug erlebt?
Ich hätte nie gedacht, dass ich mit einem 1-2er so ein Dreieck fliegen könnte, weil man ja auch gegen den Wind fliegen muß. Ich war dann überglücklich, als ich wieder im Alten Lager gelandet bin. Ich hätte aber auch nie gedacht, wie anstrengend so was ist. Nach dem Startbart habe ich wie immer nicht lange taktiert und bin losgeflogen. Ich sah dann auch bald 2 Schirme auf der Strecke kreisen, als ich ankam waren die schon weiter geflogen. Nach etwas Auftanken ging es dann weiter, die beiden Vorflieger waren dann bald sehr tief, offensichtlich hatten sie die Dunstschleier nicht gesehen. Somit vielen die beiden als Thermiksuchpartner aus und ich habe mich bis zur 1. Wende vorsichtig alleine weiter gekämpft. Eigentlich sollte Rückenwind sein, aber leider kam der Wind von vorne und so war der Flug zur ersten Wende sehr langatmig. Dort sind übrigens viele, die zu niedrig ankamen, auf den Acker gegangen. Gottseidank konnte ich die Wende aus großer Höhe anfliegen, so dass ich an der Wende immerhin noch 1500 m hatte um Thermik zu suchen. Mittlerweile hatte mich ein Pulk Rennmaschinen eingeholt, so dass die Thermiksuche etwas einfacher wurde. Bis zur 2. Wende konnte ich da noch mithalten, den 3. Schenkel musste ich dann wieder alleine machen. Nach der 2. Wende wurden die Wolken dann großflächig mit 5-6 Meter Steigen, so dass ich dann schon mal 1 km ohne Sinken und mit Speed geradeaus fliegen konnte. Dann kam aber auch lange Sinken und wenn dann mal eine Wolke nicht zieht, hat man auch 2,5 km Höhe schneller abgebaut, als man sich vorstellen kann. Fast wäre ich wieder nur fast ins Ziel gekommen, aber in 100 m habe ich dann über einem Kornfeld noch mal einen 1 m Bart erwischt und nach 200 m Höhengewinn bin ich dann noch den letzen Kilomter ins Ziel geflogen. So ist mir zum Schluss noch mal richtig warm geworden.

Bildimpressionen German Flatlands 2006 :: © Torsten SattlerDer vierte Task war wiederum ein Dreieck über 44,8 km. Der Gewinner an diesem Tag war Robert Bernat, der mit einem AirCross Ultima 3 Wettkampfschirm nach 1 Stunde und 7 Minuten (40er Schnitt!!) im Ziel stand. Wie hat der das gemacht?
Robert lebt fürs Fliegen, ist bei jeder Gelegenheit in der Luft und scheint mit seiner Rennmaschine U3 beim Fliegen eins zu sein. Die U3 ist mit 70 km/h wohl auch das schnellste Gerät auf dem Markt. Bei dem Dreieck (er war übrigens nicht immer der schnellste) hat er den optimalen Startzeitpunkt und die optimale Wolkenentwicklung erwischt. Ich war früher losgeflogen und musste auf dem 1. Schenkel noch etwas kämpfen. Am 1. Wendepunkt ist er dann im Delfinstil an mir vorbei geschossen, das heißt Höhe machen im Geradeausflug ohne Kreisen und dazwischen Gas geben. Die orangene Sichel ist unverkennbar und wenn so ein Hochleister die Geschwindigkeit in Höhe umsetzt, kannst du nur noch staunen. Robert hat sicher auch ein gutes Gefühl für den optimalen Weg unter den Wolkenstraßen, um den Delfinstil optimal zu nutzen. An dem Tag sind auch noch über 10 Segelflieger in einem Speedrun an mir vorbeigezischt, links und wieder rechts, da konnte einem schwindelig werden.

Claus Fischer – der diesjährige Norddeutscher Landesmeister – hat angekündigt im nächsten Jahr ein Streckenflugseminar im “Alten Lager” durchzuführen. Was ist das besondere an diesem Gelände?
Sandgebiete wie in Brandenburg und auch die riesige Betonpiste im Alten Lager heizen sich einfach gut auf und sind der Garant für gute Thermik.
Segelfluggelände mit ähnlichen Eigenschaften in NRW sind Oerlinghausen am Teuto, Borkenberge nördlich des Halterner Sees und Schwarze Heide bei Dinslaken. Der Vorteil vom Alten Lager: nur Drachen und Gleitis.

Bildimpressionen German Flatlands 2006 :: © Torsten SattlerWelches Fazit ziehst Du aus dieser Woche?
Flugbedingungen wie in Südafrika oder Australien, wann hat man das hier schon mal (vielleicht immer öfter). Viele Streckenflugerfahrungen in nur 1 Woche und eine super Atmosphäre aufbauend auf einer großartigen Organisation des Berliner Clubs und ihrer Helfer und geprägt durch ein faires Miteinander der Piloten. Ich werde sicher noch lange an diesen Event zurückdenken.

Bist Du nächstes Jahr wieder dabei?
Ich hoffe, es findet wieder in den Ferien statt.

Wir haben uns alle sehr über Deine Erfolg gefreut und wünschen Dir weiterhin gutes Steigen.

Die Bildimpressionen stammen von Torsten Sattler.

2 Kommentare

  1. Hi!
    Ich lese hier schon eine ganze Zeit mit und muss das jetzt mal loswerden:
    Kompliment an Dich! Es ist jeden Tag wieder unterhaltsam und spannend, Dein Blog zu lesen!

    Liebe Grüße und weiter so,
    Jana

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